Das Alpha-Tier

Posted on 25. September 2018

Wenn Du den Ausdruck „Alpha-Tier“ hörst, was kommt Dir zuerst in den Sinn? Eine mächtige Führungskraft, die bei einer Vorstandssitzung herumschreit oder ein Feldwebel, der vor seinen Soldaten auf und ab geht, oder ein anderes Bild des typisch herrischen Machotyps? Während dieser Alpha-Typ definitiv durchsetzungsfähig ist, ist er weit davon entfernt, ruhig zu sein. Und doch besteht zum Beispiel Cesar Millan darauf, daß jedes Rudel seinen Anführer haben sollte, das menschliche „Alpha“. Was also meint Cesar wirklich, wenn er das Alpha in einem Rudel beschreibt?

Er redet von einem ruhigen, selbstbewußten Anführer. Und Studien von Wolfsrudel in freier Wildbahn haben gezeigt, daß er damit recht hat.

Carl Safina, Autor des Buches „Beyond Words: Was Tiere denken und fühlen“ schreibt über seine Beobachtungen von Wolfsrudeln. Er erklärt, wie das Alpha-Tier, und besonders das männliche Alpha-Tier das Rudel führt. Er schreibt: „Ich habe gesehen, daß die Führung des Alpha-Tieres nicht dominant und nicht aggressiv gegenüber seinem Rudel ist.“ Nach einer Studie, die Rick McIntyre, vom Yellowstone Park Wolf Project, im Laufe von zwanzig Jahren durchgeführt hat, klingt eine Beschreibung des männlichen Alphawolfs sehr nach einem vernarrten menschlichen Vater. Er beschreibt M21, einen Alpha-Wolf, der niemals einen Kampf gegen ein gegnerisches Rudel verlor, aber auch niemals die Wölfe tötete, die er besiegte. Safina sagt: „In seinem eigenen Rudel war eines seiner Lieblingsdinge, mit kleinen Welpen zu ringen.“ Er zitiert McIntyre „Und was M21 wirklich liebte, war so zu tun, als ob er verlieren würde. Das hat ihm riesigen Spaß gemacht.“

Eine andere Lektion, die uns die Wölfe beibringen: Das Alpha ist nicht immer männlich. Während es tatsächlich zwei Alphas geben kann, ein männliches und weibliches Tier, ist es der weibliche Wolf, der den Ton für das ganze Rudel bestimmt; Sie sind diejenigen, die Entscheidungen darüber treffen, wohin sie reisen, wann sie jagen und wann sie sich ausruhen sollen.

Als McIntyre das Stereotyp des Alpha-Männchens auf den Kopf stellte, berichtete er von einem bestimmten Rudelführer in Yellowstone, einem Weibchen, das durch die Nummer auf seinem Tracking-Kragen bekannt war: F40. Sie war besonders aggressiv und dominant und trieb ihre Mutter F39 und Schwester F41 dazu, das Rudel zu verlassen. Die Schwester, die blieb, F42, war ständigen Mißhandlungen und Angriffen ausgesetzt. Wie Cesar jedoch immer sagt, werden Tiere nie unausgeglichenen Anführern folgen. Nachdem F40 F42 in ihrer Höhle angegriffen und F42 sich unterworfen hatte, kam F40 zurück, um F42 und ihre Welpen erneut anzugreifen. Diesmal unterwarf sich F42 nicht, sondern tötete F40 mit Unterstützung ihrer Tochter F105 und ihrer Nichte F103. F40s früherer Kumpel, der zuvor erwähnte M21, schloß sich dem Rudel mit F42 als Alpha an – und F42 zeigte keinerlei Aggression gegenüber ihren Rudelmitgliedern oder ihren Welpen. F40 war ein perfektes Beispiel dafür, was ein Alpha-Wolf – oder ein Mensch – nicht sein sollte: gewalttätig und aggressiv.

In seinem Artikel schlußfolgert Safina: „Männer können ein oder zwei Dinge von echten Wölfen lernen: weniger Knurren, mehr stilles Vertrauen, mit gutem Beispiel vorangehen, treue Hingabe in der Fürsorge und Verteidigung von Familien, Respekt für Frauen und eine Aufteilung der Verantwortlichkeiten.“ Während du daran arbeitest, ein besserer Rudelführer für deine Hunde zu werden, erinnere dich an das echte Beispiel des Alphawolfs. Ein wahrer Führer ist ruhig und selbstbewußt.

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